Home Auszeit-Blog Kloster Corvey – Spektakulärer Fund

Kloster Corvey – Spektakulärer Fund

by admin1

Im Kloster Corvey wurde jetzt ein spektakulärer Fund entdeckt, der auf den ersten Blick wenig interessant wirkt. Dennoch handelt es sich um eine Sensation. Ein Stück Bauholz wurde gefunden. Angeblich – so Historiker – sei das Holz mehr als 1150 Jahre alt und somit eines der ältesten Bauhölzer des Landes Nordrhein-Westfalen. Ehemals befand sich am Fundort das karolingische Kloster. Es handelt sich bei dem gefunden Holz um einen Teil der ehemaligen Dachkonstruktion.

Dr. Kristina Krüger ist Kunsthistorikerin und untersucht die Kirche bereits seit einiger Zeit. Sie wurde durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe mit der Aufgabe betraut. Dabei hätte wohl niemand mit einem solchen Ergebnis gerechnet. Jedoch geben die Fakten über das Bauholz einen einzigartigen Einblick in die Geschichte der Kirche, insbesondere aus der Zeit ihres Baus. Dass der Grundstein im Jahr 873 gelegt wurde, war bereits bekannt, ebenso wie die im Jahr 885 erfolgte Weihe. Allerdings konnten diese Daten bisher nicht mit derart einzigartigen Relikten belegt werden.

Im Mauerwerk des Nordturms wurde vor einigen Jahren schon einmal ein Holzbalken gefunden. Damals sollte das Fund-Holz an Ort und Stelle bleiben und lediglich ein kleines Stück als Probe zu Untersuchungszwecken entnommen werden. Letztendlich wurde der gesamte Balken dennoch entnommen, um ihn besser einschätzen zu können. Geschehen bereits im Jahr 2011 als der Bauforscher Peter Barthold selbst den Balken abtrug, in einer schwindelerregenden Höhe wohlgemerkt. Erst danach konnte die Bestimmung des Alters in Auftrag gegeben werden, indem zwei voneinander unabhängige Labore hiermit betraut wurden. Diese wussten nichts voneinander, denn man wollte unbedingt sicher gehen, ein seriöses Ergebnis zu erhalten. Dieses besagt, dass der Baum, der letztendlich zum Balken für die Kirche verarbeitet wurde, in den Jahren 834 bis 848 gefällt worden sein muss. Außerdem konnten die Experten am Balken erkennen, dass das damalige Dach lediglich zu etwa 20 Prozent geneigt war und offensichtlich wiederverwendet wurde. So war es offensichtlich auch schon in das Dach des damaligen Klosters eingebaut gewesen. Zur damaligen Zeit war es üblich, baulich noch gut erhaltene Materialien mehrfach zu verwenden, sodass der Balken letztendlich eingesetzt wurde, um den Nordturm der Kirche zu errichten. Dies geschah im 13. Jahrhundert.

Untersucht wurde nicht nur ein ehemaliger Dachbalken, sondern auch ein Holzkeil, welchen man in einer Johanneschores-Säule fand. Die Experten sind sich darüber einig, dass diese Keile in der Vergangenheit dazu dienten, die Stuckfiguren zu stabilisieren, die heute leider nicht mehr erhalten sind. Der Baum für das verwendete Keilholz wurde offensichtlich zwischen den Jahren 880 und 885 gefällt.

Die Holzfunde mögen für viele belanglos klingen, doch für Kirche und Kloster bzw. das gesamte Bundesland NRW sind sie überaus bedeutsam. Schließlich konnte anhand der Untersuchungen nachgewiesen werden, dass es im gesamten Bundesland Nordrhein-Westfalen kein älteres Bauholz gibt als das an der Kirche gefundene. In die Geschichte der Kirche, aber auch in die Literatur wird es somit auf jeden Fall eingehen. Ob es auch medienwirksam präsentiert werden kann, bleibt aufgrund der für viele uninteressanten Aspekte allerdings abzuwarten.

Ähnliche Artikel